Solche Gewinnchancen imponierten dem Rundfunkindustriellen Grundig derart, daß er sofort zugriff, als ihm Vorstandsmitglieder der Dresdner Bank das Einfallstor zur Büromaschinen-Industrie öffneten. Sie verschafften ihm zunächst die Aktienmehrheit der Triumph Werke Nürnberg AG, deren Aktienkapital von 8 Millionen Mark jetzt zu 97 Prozent Grundig gehört. Dazu bekam er im November 1957, ebenfalls über die Dresdner Bank, ein dickes Aktienpaket der Frankfurter Adlerwerke AG, das etwa 26 Prozent des Adler-Stammkapitals (insgesamt 15 Millionen Mark) repräsentiert.
Die Dresdner Bank, die an den Firmen beteiligt war und heute noch (in 1958) in ihren Aufsichtsräten vertreten ist, war froh, daß Grundig sich in beiden Fällen schnell entschloß.*
* "Die Dresdner Bank erlitt erst kürzlich durch den Zusammenbruch einer anderen alten Zweiradfirma, der Victoria Werke AG in Nürnberg, einen Verlust von etwa zwei Millionen Mark. Das verschuldete Unternehmen wurde vom Flick-Konzern übernommen."
Die Firmen hatten sich nach 1948 vorwiegend auf die Motorradproduktion konzentriert; die Büromaschinen-Fertigung lief schmalspurig nebenher. Als dann die Absatzkrise in der Zweiradindustrie ausbrach, merkten die Vorstände, daß sie fehlspekuliert und fehlinvestiert hatten.
„Bei Triumph war es fünf Minuten vor zwölf, als wir einstiegen", sagt Grundigs Finanzberater Josef Schäfer, „und bei den Adlerwerken müssen etwa 40 Millionen Mark Schulden (davon fünf Millionen vordringlich) getilgt werden. Dabei muß die Bank mithelfen."
Der Dresdner Bank kommt es vor allem darauf an, daß der Rationalisierer und Erfolgsgeschäftsmann Grundig beide Unternehmen — die Triumph- und die Adler-AG — schnellstens reorganisiert, so daß sie wieder rentabel arbeiten. Grundig hat im Laufe der letzten Jahre etwa 700 Techniker und Ingenieure angestellt, die in seiner Elektromechanisehen Versuchsanstalt Fürth (das ist eine eigenen Firma) zahlreiche Entwicklungsaufgaben lösen. Aus dieser technischen Eingreifreserve stellte Grundig ein rundes Dutzend Spitzenleute für die Triumph Werke Nürnberg AG ab".