Als sich der Krieg allmählich dem Ende näherte, überlegten wir, daß wir nun etwas für zivile Anwendung brauchten. Das mußte in aller Heimlichkeit entwickelt werden, weil das Heereswaffenamt davon nichts wissen durfte. So kam der Blattschreiber f (Ferdinand) - wir verwendeten also die Nomenklatur des Heereswaffenamtes dafür. Wir sagten uns, das Spulentonband sei vielleicht doch nicht das Richtige, es würde gegenüber der Schallplatte niemals konkurrenzfähig sein. Heimanwendung sei auszuschließen, weil jeder Bandriß sehr nachteilig wäre. Wir suchten also einen Tonträger nach dem gleichen Prinzip, aber mit anderer Form: ein Blattschreiber wäre das Rechte. Wir ließen uns dabei von dem Hell-Schreiber inspirieren.
Wir bauten ein Schreibmaschinen ähnliches Gerät mit einer Gummiwalze, und um diese wurde ein DIN A 4-großes "Blatt" Magnetband herumgelegt. Dann hatten wir einen etwa 15 cm langen Schwenkarm. Zuerst waren es vier Schwenkarme, von denen jeder einen 90-Grad-Bogen auf das Blatt schrieb, das sich kontinuierlich langsam vorschob. Wenn der erste Arm nach 90 Grad am rechten Rand war, folgte von links der zweite und so weiter, bis wieder der erste an der Reihe war. So hatte man eine Spiral- <Kreisbogen?>- Linie, aber viermal geschnitten und untereinander gelegt, vielleicht mit einem Zeilenabstand und einer Spurbreite von je einem Millimeter.
Das war aber zu unhandlich, weil das Drehkreuz mit den vier Armen zu groß war. Wir sagten uns, daß ein Arm genügen würde, der aber wie bei der Bildabtastung blitzschnell wieder zurücklaufen und dann die nächste Zeile schreiben müsse. Also langsam vor, schnell zurück - die Schreibgeschwindigkeit lag vielleicht bei 20 cm/s. Damit konnte man gut schreiben. Es war allerdings etwas schwierig, die Zeile wiederzufinden - unangenehme, aber schließlich gelöste mechanische Probleme. Eines dieser Mustergeräte habe ich bei der Verlagerung noch nach Süden geschleppt. Ich habe damals im Labor die Geschwindigkeitsverhältnisse beim vor- und Rücklauf mit einer Amateurfilmkamera ermittelt; dieser Film ist noch heute vorhanden.
Westpfahl: Es war wie bei einer Schreibmaschine, wie Sie richtig sagen. Wir zeichneten bis zum Ende einer Zeile auf, dann rückte die Walze ein Stück weiter, dann schrieb man wieder von rechts nach links weiter, dann rückte es wieder vor, die nächste Zeile - der Arm ging hin und her - darum die Herzscheibe.
Dr. Schiesser: Wir hatten verschiedene Varianten. Die erste war die mit dem Kreuz ausgestattete. Das war dynamisch das Vernünftigste, denn es gab nur eine kontinuierliche Drehbewegung. Da sich diese Lösung aus Raumgründen nicht recht verwirklichen ließ, hat man später andere Lösungen versucht. Zum Tragen gekommen ist keine. Deshalb weiß ich nicht, ob die Ausführung, die Sie erwähnen, weiterverfolgt worden ist. Das waren also unsere Kriegsgeräte, und das, was wir uns für den Frieden reserviert hatten.