Außerdem waren aber noch eine Menge magnetische Dinge zu beachten. Zunächst einmal hatten wir die Bänder nach ihrer Eignung zu beurteilen. Damals fing man mit Vergleichen, eben empirisch an: man sprach auf das Band und urteilte dann: klingt dies besser, klingt jenes besser. Dann mußte das alles ein bißchen solider gemacht werden. Man fing an bzw. versuchte, magnetisch zu messen, aber für Koerzitivkraft und Hysterese gab es ja nach keine Meßinstrumente, also keine Förster-Sonde und solche Dinge. Man konnte nur mit einem Ampere-Meter und einer Kompaßnadel arbeiten, mehr hatte man praktisch nicht zur Verfügung. Das Prüffeld wollte auch Angaben <:Meßvorschriften?> haben. Wenn man dort Löschköpfe prüfen wollte, mußte natürlich das Spaltfeld gemessen werden. Das war aber schrecklich klein, und die vorhandenen Meßinstrumente waren alle (vom Meßbereich her) zu groß.
Auch die Form der Löschköpfe stand zur Debatte. Man kam darauf, daß sich ein Ringkopf nicht so gut macht: dann merkte man: wenn der Löschkopf noch ein Horn hat, arbeitet er besser, aber das Horn mußte in die eine Richtung zeigen, nicht in die andere. Daraus ergab sich die Frage: was hat das Horn bewirkt? Schließlich kam man darauf, daß ja zweimal in die Sättigung magnetisiert wurde; einmal vom Spalt in die eine Richtung, und dann vom zweiten, vom Horn, wieder in die andere Richtung, dort aber nicht so weit hinein, so daß die Vormagnetisierung nachher wieder auf den geraden Teil der Kennlinie zielte, wobei man noch nicht so genau wußte, was eine magnetische Kennlinie war.
Das alles war für uns völliges Neuland. Es gab bei Heraeus einige Leute, die das Gebiet beherrschten, und es mag auch ein paar Physiker gegeben haben, die Bescheid wußten, aber für einen Ingenieur war das alles noch sehr weit weg. Bei Barkhausen habe ich natürlich auch gelernt, wie eine Hystereseschleife aussieht, aber als es dann mit absoluten Zahlenwerten anging und um Fragen, was Armco <?> ist und was Mumetall und ob es so empfindlich ist, wie ja Herr Westpfahl gesagt hat - es war in der ersten Zeit wirklich so empfindlich - das war ja alles Neuland. Messen und ein bißchen dahinterkommen: was ist wirtschaftlich, was nicht - das war eine schöne Beschäftigung in der ersten Laboratoriumszeit.